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Tag 10 – UnGeplant

Wie soll es weiter gehen? Wie geht es mit mir weiter? Wie geht es mir und wie geht es den Menschen um mich herum? Das sind Fragen, die in den letzten beiden Tagen etwas öfter in meinem Kopf herumschwirrten und dem ich immer wieder den Gedanken „der kleinen Schritte“ entgegenstellen muss. Heute morgen beim Aufwachen dachte ich noch…fühlt sich ja heute echt gut an. Davon war am Mittag nichts mehr zu spüren. Ich brauche für 20 Minuten aktive Zeit mindestens genauso viel Ruhezeit, eher das doppelte. Immerhin habe ich mittlerweile immer längere Zeiten, in denen ich einfach mal „etwas denken“ kann. Aber ich spüre auch: Sobald es mehr als zwei Dinge gleichzeitig sind, dreht sich in meinem Kopf ein nicht aufzuhaltendes Karussell und lässt nicht zu, die Gedanken zu sortieren. Und das zeigt sich auch schon in den kleinen Dingen. Umso wichtiger: Kleine Schritte, einen Gedanken hintern den anderen stellen. Nicht nur das „große ganze im Blick haben“ und aus dieser Perspektive alles direkt einordnen, sondern einfach auch mal da sein. Schreibt/Sagt sich leichter als „es sich lebt“. (Ein Satz, den ein guter Freund mir in letzter immer wieder auch mit echter Wertschätzung mitgegeben hat).

Wie geht es nun „planmäßig“ weiter? Gegenwärtig darf ich mir jeden Abend eine Spritze Neupogen setzen, damit meine Stammzellen angeregt werden. Wofür das Ganze? Am kommenden Montag sollen mir dann diese eigenen Stammzellen im Rahmen einer Stammzellenparaphrase rausgefiltert werden, damit diese dann im Rahmen der Hochdosischemo (HD-Chemo) zurückgegeben werden. Denn die HD-Chemo (seit gestern ist Gott sei Dank klar, dass es wohl eine etwas andere Variante bei mir wird, ohne diesen Kopfkillerstoff Ifosfamid), wird mein Immunsystem komplett zerstören. Und nach dem Erleben der ersten Runde der Chemo wage ich gegenwärtig keine Prognosen, wie heftig das wohl bei mir ausfallen wird.

Mir ist heute in besonderer Weise ein Gedanke in den Kopf gekommen, warum ich mich auf die ganze Therapie einlasse. Klar, der Wunsch nach Leben ist bei mir ziemlich ausgeprägt und es gibt zwar nicht viele und doch ein paar Sachen, die ich im Leben nochmal mitnehmen möchte (Polarlichter z.B.). Aber es geht mir, das klingt vielleicht blöd und ich möchte es auch nicht als „selbstlos“ darstellen, um die vielen lieben und guten Menschen um mich herum. Ich möchte mit ihnen und für sie noch einige Jahre Zeit haben, um „das gute Werk zu vollenden, was Gott in uns allen begonnen hat“. Einfach da zu sein, Gutes tun und in gewisser Weise auch um einfach zu lieben.

Ja, das wird noch eine harte Zeit bis dahin, aber es wird. Tag 10 von „geplanten“ 84 (+ operativer Restpumbaentfernung) ist geschafft.

4 Kommentare

  1. Dörte Dörte

    Hey Max du hast Tag 10 geschafft! Ein kleiner Grund zur Freude, zum Dasein, Hiersein im Jetzt. Und ehrlich, man denkt nach Erstgabe ,,Pumba-Kampfstoff “ kein zweites Mal, niemals….mir ist es so ergangen.
    Aber dann geht es weiter in kleinsten Schritten im Heute…..
    Versuche das Heute im Blick zu haben, alles andere fügt sich hinein.

    Pumba ist wie zelten ohne Zelt:

    Kein Schutz vor Regen Sonne Wind
    vor Kälte und Hitze
    vor Insekten
    vor Blicken

    Der Schein der Sicherheit entfällt

    aber:

    Du kannst direkt in den Sternenhimmel blicken
    Der Nachtwind streichelt deinen Körper
    Du wirst von der Morgensonne geweckt

    erlebe alles unmittelbar
    ungefiltert
    direkt

    LEBEN
    WACHSEN
    WERDEN es wird Max ( auch mit HD Chemo und munteren Stammzellen ) es wird…..

    ohne vermeintliche Sicherheit
    der schützenden Zeltplane

    Bevor des Tages Licht vergeht, o Herr der Welt hör dies Gebet:
    Behüte uns in dieser Nacht
    durch deine große Güt‘ und Macht.

    Hüllt Schlaf die müden Glieder ein,
    laß uns in die geborgen sein
    und mach am Morgen uns bereit
    zum Lobe deiner Herrlichkeit.

    Dank dir, o Vater, reich an Macht,
    der über uns voll Güte wacht
    und mit dem Sohn und Heil’gen Geist
    des Lebens Fülle uns verheißt! Amen

    Hand in Hand durch die Nacht….
    ….gute Nacht….🙏❤🧠🐞❤😘😘

  2. Conny wiercinski Conny wiercinski

    Hallo Max
    Ich hoffe, das es dir heute wieder etwas besser geht
    Du schreibst, das du in kleine Schritten nach vorne gehst. Das hört sich positiv an. Mit kleinen Schritten kommt man auch ans Ziel, langsam, aber es geht
    Dafür wünsche ich dir unendlich viel Kraft und Gottes Hilfe.
    In Gedanken schicke ich dir viel Kraft und Gebete.
    Liebe Grüße von Conny

  3. Hans-Joachim und Ruth Ossé Hans-Joachim und Ruth Ossé

    Deine Kraft
    liegt in deiner
    Hoffnung

    Luise Rinser

    Unser Wunsch für Dich ist,
    dass Du hoffnungsvoll bleibst.
    Unser Gebet wird Dich begleiten.
    Hans-Joachim und Ruth Ossé

    Sonntag, 16.Mai 2021

  4. Jeannette Jeannette

    Hey Max,
    ich habe mir heute mal wieder die Zeit genommen um ganz bewusst deine Beiträge zu lesen. Deine Ehrlichkeit zu uns, zu dir selbst, zu Gott berührt mich jedes Mal aufs Neue. Dabei fließt auch jedes Mal die ein oder andere Träne. Ich habe schon immer dein unglaubliches Vertrauen in Gott bewundert, die Stärke die du aus ihm ziehst, vorallem wenn es Dunkel um dich geworden ist. Ich habe mal einen Text gelesen, indem stand, dass wenn es Dunkel um uns wird und wir Gott suchen ist er uns meist am nähsten, nämlich in unserem Herzen. Du hast schon so vielen Menschen Hoffnung, Glaube, Liebe und eine Perspektive Geschenkt. Gott kann uns näher sein, je mehr wir ihm vertrauen. Es ist schön zu sehen, dass du dein Herz und deine Arme öffnest für Gott. Denn Wundern schenkt er gerne, doch für diese muss man sich auch öffnen um sie empfangen zu können. Du bleibst ein Mensch, der vielen Christen voran geht, der nicht müde wird im Kämpfen, der weiß das Gott bei ihm ist. Und um ehrlich zu sein schenkt das auch mir Kraft zu wissen, dass du diesen Weg nicht alleine gehen musst und das du das auch weißt. Hab ein starkes Herz in Gott!

    Liebe Grüße
    Jeannette

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